Tagebuch – Gesammeltes.

Wald.

Wald

Momente auf Film.

Das späte Entwickeln von Filmen lohnt sich wohl allein schon, weil man dann durch nur einen Film möglichst viele Erinnerungen hervorrufen kann. Wie schön.

 

Zum Beispiel von Ben und meinem Ausflug zum Kaffeefest von Quijote im letzten Jahr:

Quijote1 Quijote2 Quijote3Quijote7 Quijote4 Quijote5 Quijote6Quijote8

 

Oder dem spontanen Roadtrip von Caro und mir an die Nordsee:

Nordsee Nordsee2 Nordsee3 Nordsee4 Nordsee5

 

Oder dem Sonntagsausflug nach Hamm mit Philipp:

 

Hamm1 Hamm2

 

Oder Fotos von Janni und Leilo in meiner Wohnung <3

Bild2 Bild3

Und meine Wenigkeit, rauchend, auf meinem Fenstersims vor Grünem, noch mit langem Haar:

Bild

Fundstück: Pärchen

Ich habe mich ein wenig durch alte Blog-Einträge gewühlt und dieses hübsche Pärchen entdeckt.

Es soll jetzt hier sein.

 

Pärchen

 

 

[Sonntagsromantik] Hamm

Wir waren zu zweit und das Ziel für diesen Sonntag war ein Irgendwo im Nirgendwo.
Jeder hatte geschlafen und gefrühstückt, trug eine Jacke und mindestens eine Kamera bei sich und war gleichermaßen aufgeregt und neugierig auf das, was an diesem Nachmittag geschehen sollte.

 

Wir trafen uns an der U-Bahnstation Hammer Brücke und ich hatte ein wenig Verspätung, was aber keinen von uns störte. Alles begann mit einem irritierten Blick in alle Richtungen und dem kleinen Plan, den Hammer Park zu besuchen. Nahezu jede Ecke schien hier einfach „hammer“ zu sein, glaubten wir.

 

Der Park war winzig und mit vielen spazierenden Menschen gefüllt. Wir brauchten ein wenig Zeit, uns in die Situation einzufühlen. Der schlendernde Gang auf ein paar kleinen Wegen vorbei an einem bespielten Schachfeld, einer schneelosen Rodelbahn und einem graureiherbesetzten Teich zeigte bald deutlich, dass wir hier richtig waren. Richtig wofür?

 

Wohnt man eine gewisse Zeit in einer Stadt, die schon sehr dem Städteparadies auf Erden gleicht – wir sprechen hier von Hamburg –, wird einem bewusst, dass es außer dem kleinen Radius des alltäglichen Seins auch noch mehr Ecken zu entdecken gibt. Ecken mit kleinen, jahrzehnte alten Cafés oder mit langen Reihen von Mehrfamilienhäusern. Ecken mit Ecken. Und Ecken mit Sportplätzen.

 

Der Hammer Park war schnell erkundet und ein Blick auf die Karte zog uns mehr in Wassernähe. So schlenderten wir durch Hammer Straßen und entdeckten jede Spießigkeit, die diesen Spaziergang zu einem Ausflug machen sollte.

 

Ein Zigarettenautomat am Straßenrand war nur noch wenig als ein solcher zu erkennen, da er scheinbar kürzlich mit brutaler Gewalt in Einzelteile zerlegt wurde. Das Polizeiband hielt uns von dem Tatort fern. Es wurden stattdessen Filme in analogen Kameras gewechselt. Vorbei an Fahrschulen, einer Tankstelle und jeder Menge Reihenhäuser erreichten wir bald den Fußballplatz des SC Hamm 02. Darauf lieferten sich zwei eher unterklassige Fußballmannschaften ein Spiel um Leben und Tod. Mit den Fingern am Zaungitter beobachteten wir aus sicherem Abstand das wirre Treiben. Ein paar Straßen weiter erwartete uns schon der nächste kulturelle Höhepunkt: Ein Wahrzeichen mitten auf der Straße, welches nur aus einer Säule mit oben gold abgesetztem Rand bestand. Hatte jemand das eigentliche Wahrzeichen gestohlen? Oder hatte dieses Zeichen geschichtlichen Hintergrund? Vielleicht war es einfach nur ein Andenken an eine wirklich gute Säule? Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon die erste Brücke überquert und es sollte nicht die letzte bleiben. Brücken waren definitiv die wirklichen Helden dieses Nachmittags. Als wir uns ein paar Meter weiter endlich vom schrecklichst-verglasten Hauseingang der Welt lösen konnten, begann der etwas industriellere Einschlag der Umgebung auf uns zu wirken. Speditionen. Speditionen. Wir hatten jegliche Lebewesen hinter uns gelassen und tauchten ein in eine Welt voller Mäuerchen und Gitter und Tore und Fähnchen.

 

Bis wir dann am Rand eines Elbkanals standen und auf Bötchen schauten, die friedlich umher schwammen. Die andere Seite des Ufers schien spannend und der Weg führte uns vorbei an weiteren Mehrfamilienhäusern über die Braune Brücke in einen Kleingarten Verein. Jeder kennt Schrebergärten mit ihrer Kombination aus Gemütlichkeit und kleinlichem Gärtnerei-Perfektionismus. Aber wer kennt schon Schrebergärten am Wasser? Die kleine Siedlung erstreckte sich über eine Insel und ein Traum war geboren: Einmal im Leben eine kleine Hütte am Wasser besitzen, Kräuter anbauen, den Ofen anfeuern, mit dem Kutter übern See tuckern und am Abend in der Hollywoodschaukel ein Glas Wein genießen. Der Rundgang ließ uns 10 Jahre altern und während wir da so entlang spazierten, träumten wir vom kleinen Glück.

 

Aber wo war es nun? Dieses Café, in dem wir Omas Kuchenstücke bekamen und nicht wirklich guten Filterkaffee? Der Hunger stellte sich ein. Wir ließen das kleine Glück hinter uns, denn hier gab es niemanden, der uns bewirten wollte, und kämpften uns in einen weiteren Teil Industrie vor. Lange Zeit hatten wir keinen Menschen gesehen, aber es war auch gar nicht schlimm. Scheinbar schien am Wochenende auf diesem Stückchen Erde sich einfach gar kein Mensch aufzuhalten. Demnach gab es auch keinen Backfischimbiss.

 

Unsere Füße wollten uns nicht mehr so weit tragen. Immerhin hatten wir nun schon acht Kilometer Fußmarsch auf dem Buckel und mehrere Fotos von Brücken in der Tasche. Das nächste Ziel sollte eine Lokalität sein, die Räuscherfisch anbot. Ein paar Speditionen und eine sehr lange Stunde später (Hammerbrook hat übrigens eine sehr schöne S-Bahn-Station), befanden wir uns an den Landungsbrücken zwischen Tourismuswahnsinn und einer kalten Brise und kamen (nach einem Landungsbrücken-Bierchen) endlich an Brücke 10 zum Pausieren, Essen, Rauchen und Blick genießen. [Man sollte möglichst oft das Wort "Brücke" in einem Satz verwenden.] Ein Tag ging zu Ende, die Sonne senkte sich, wir schwiegen auch ein bisschen, redeten aber auch noch viel, sahen auf das Wasser. Es gab Fischbrötchen und ein zweites Bier und Seligkeit stellte sich ein.

 

Hamm war gut zu uns.

 

 

Der nächste Sonntag wird bald folgen.

 

landungsbrücke

[Und wie es mit analogen Bildern ist – sie bedürfen einer gewissen Entwicklungszeit. Sobald dies vollbracht ist, soll es hier auch etwas zu sehen geben.]

[Sonntagsromantik] Eimsbüttel

Vorbei an älteren und jungen Pärchen schlendere ich durch Eimsbüttel und entdecke neue Lieblingsplätze und den Wunsch, mit einem Bus zu verreisen.

 

sunday sunday2 sunday3 sunday4 sunday5

 

Mach doch, was du willst.

Ich laufe über die vereiste Glitzerstraße nach Hause und lasse mir die gerade an der U-Bahnstation gesprochenen Worte durch den Kopf gehen.

Einfach leben. Wir müssen ja noch nicht mal irgendwas planen.
Wir können alles essen, müssen aber nicht alles wissen. Das hat mein Vater schon immer gesagt.

Denn müssen müssen wir gar nichts.

Aber wir können.

Wir können Flammkuchen mit Birnen, Ziegenkäse, Datteln und Raddiccio belegen und uns dann in der Freude suhlen, die Köstlichkeit mit Genuss wie Fast Food auf dem Sofa in uns hinein zu stopfen.

Wir können uns fürs Kino verabreden und die Verabredung auch wirklich einhalten und dann durch unbekannte Straßen von fernen Stadtteilen schlendern und uns wie Vampire fühlen, die die Nacht zum Tag machen. Und beim Morgengrauen verabschieden wir uns mit den Worten: Lass uns jetzt schlafen bis es dunkel wird.

Und wir können den Arbeitsalltag mit Pijamapartys beenden, bei denen wir uns bis Mitternacht Geheimnisse verraten oder nebeneinander auf dem Dach sitzen, die Sterne zählen, bis einer müde wird oder die Weinflasche in die Dachrinne rollt.

Ein zarter Hauch von nächtlicher Euphorie. Wie ein kleiner Atemzug einer riesigen Schnapsfahne, die ich in eure Richtung puste.

[Urlaub] Matrose für sechs Tage.

Manche haben unsere kleine Reise ja schon bei Instagram verfolgt, hier jetzt nochmal ein kleiner zusammenfassender, bebilderter Urlaubsbericht:

 

Ich schnappte mir einen Lieblingsben und flog mit dem nach Griechenland. Eine Woche Segelurlaub unter dem Kommando meines Vaters: Kann man schon mal machen. Mal abgesehen von dem immer wieder leidigen Thema Wetter (vor unserer Ankunft 30 Grad, während unseres Aufenthalts 20 Grad, nach unserer Abreise 30 Grad ._.), hatten wir als Sechser-Crew auf einer Oceanis 393 mit einer Gesamtlänge von 39 Fuß und drei Schlafkabinen einen sehr entspannenden und erdenden Trip mit der ein oder anderen starken Brise und ordentlich Wellengang.

Alles in allem sagt man, Segeln ist die schönste Art, den Horizont zu erweitern.

Beim Törn übers Ionische Meer entdeckten wir dabei nicht nur die bezaubernden Häfen der Ionischen Inseln sondern auch die Art und Weise Weißwein, Mythos (Griechisches Bier) und Ouzo in rauen Mengen zu verzehren. Allein an das Ritual des Ankerbiers kann man sich doch schon recht schnell gewöhnen.

Zum Glück blieben wir alle (bis auf einen kleinen Schwächeanfall meinerseits bei einer stürmischen Überfahrt) von der Seekrankheit verschont. Stattdessen platzierten wir Fender, ließen Leinen los, setzten Segel und genossen Meeresluftprisen, den ein oder anderen Badestopp und viel viel heimische Küche.

Toll war das! Toll, toll, toll.

 

Und was auf den folgenden Bildern vielleicht etwas trüb wirkt, ist bei Sonnenschein kaum aushaltbar schön. : )

 

Griechenland 1 Griechenland 2 Griechenland 3 Griechenland 4 Griechenland 5 Griechenland 6 Griechenland 7 Griechenland 8 Griechenland 9 Griechenland 10 Griechenland 11 Griechenland 12 Griechenland 13 Griechenland 14 Griechenland 15 Griechenland 16 Griechenland 17

 

Auf dem Rückweg zum Athener Flughafen entdeckten wir noch leere, alte Billboards, die uns im wunderschönen Licht der untergehenden Sonne zwischen den Hügeln von Athens Umland ein leises ‘Auf Wiedersehen’ zu flüsterten.

Griechenland 18 Griechenland 20

Vegetarian.

Vegetarian.

Like this on Instagram.

Zwischenhalt. [music on paper.]

“The National” Tour. 2013.
Posterreihe.

 

the national tour

 

the national tour

 

the national tour

Nope.

plans for the future

True story, bro.

local hero.

Neue Formen, ein wenig alt.

Versuche meine Schlafposition einer Skulptur anzupassen.

Liege da, verquer. Mit dem Kopf sowieso irgendwo zwischen vor und zurück.

Das Rückgrat instabil. Bei Bedarf tragen mich jedoch die Beine raus aus dem Zwischenzustand.

 

verdreht

 

Manche Mädchen.

Manche Mädchen

Wenn ich mal ein Kinderbuch zeichne…

… spielt er mit.

Katzi1

April.

imm023_23 imm024_24 imm022_22 imm020_20 imm019_19 imm018_18 imm016_16 imm015_15 imm014_14 imm013_13 imm012_12 imm011_11 imm010_10

Festgehalten mit einer Canon T80 auf einem 24er Kodak Film ISO400.

 

♢ Potentielle Buchtitel [1]

Chemiker, die mit Glitzermädchen tanzen.

Fall nicht.

Ich hieve meine schweren Beine die alte Treppe hinauf. Das Treppenhaus ist ein alter Mann, mit gebrechlichen Gliedern und tiefen Wunden, die ich sorgsam umschiffe. Ich schenke ihm durch eine sanfte Berührung des Geländers etwas Zuneigung. Er hat schon so viele Schritte ertragen, so viele Menschen in ihr wohliges Heim gebracht und bleibt doch seit Jahren nachts im Dunkeln allein. Geduldig wartet er auf die Sonnenstrahlen des nächsten Morgens, die seine kahlen Wände wärmen und ihn aus der einsamen, kalten Nacht reißen. Er kennt jeden hier. Auch die, die schon vor Jahren gestorben sind, hat er mit noch jungem Gemüt an seinen Rücken lehnend knutschen gesehen. Er hat so vielen Gesprächen gelauscht und das ein oder andere besorgte Telefonat in seinen Armen gewogen.
Auch heute reicht er mir stützend seine Hand und bringt mich zur Tür, hält sie mir noch ein Stück auf, weil sie heute so viel schwerer als an anderen Tagen erscheint. Manchmal würde ich ihm gern aus meinen Lieblingsbüchern vorlesen, mit meinen nackten Füßen seine lederartige Haut berühren und auf der obersten Treppenstufe sitzend den Blick tief in seine vielen Stockwerke senken. Da ist so viel in ihm, was nicht gesehen wird. Die Menschen hinterlassen Spuren hier und merken kaum die Spuren, die er in ihnen hinterlässt.
Ich sehe dich und kann dich spüren. Bleib doch noch ein wenig an meiner Seite, setz dich zu mir und ich mache dir eine Wärmflasche, kehre den Staub aus deinen Ecken und hauche dir zarte Worte ins Ohr.

Schnittmaterial.

Es ist diese Wunde, genau im Tal zwischen Daumen und Zeigefinger, die mich diesen Text schreiben lässt. Spreize ich die Hand oder balle ich meine Finger zu einer Faust – beides schmerzt. Der Schwebezustand zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, er schmerzt.

Der Kater stößt mit seinen beiden Vorderpfoten die Zimmertür auf und schiebt seinen zarten schwarzen Körper schlangenartig in den Raum. Der Akku des Laptops zeigt 10 Prozent. Ich schreibe dem Jungen von früher und denke an die Sonntage, an denen wir Aufsteh-Wettkämpfe austrugen. Das Fenster angekippt, wir in einem Deckenberg versunken. Wer zu erst ins Bad musste, hatte verloren. Wir lagen in unserem Boot, den Rettungsanker immer zur Hand.

Ich schreibe dem Jungen, den ich kennen lernte, warte auf ein Telefonat. Und warte auch nicht. Denn sobald die Dinge bei mir ankommen, die ich so lang ersehne, wünsche ich sie mir ganz weit weg. Ich bin nicht mehr auf dem Meer sondern stehe am Ufer und blicke auf die raue See. Alles wankt und doch wiegen sich die Schiffe ruhig im Rhythmus der Wellen. Und dennoch ist da kein Kapitän, der mir zu winkt, der mich auf sein Boot einläd, auf eine Reise, deren Ziel ich nicht kenne. Nur ich bin da und beobachte die Möwen und ihre Sturzflüge.

Der Henkel der getöpferten Tasse war abgeplatzt als sie mir an einem Wochenende zu Boden fiel. Das war schon in Hamburg. Vor drei Monaten vielleicht. Die Wunde an der äußeren Tassenwand ist spitz und schnitt sich vor vier Stunden in meine Hand, als ich die Tasse unter einem Berg von Schaum im Spülbecken drehte und wendete. Nun ist da ein kleines Pflaster, welches versucht zusammen zu halten, was im Moment nicht ganz zusammen gehört. Wie eine dünne Brücke zwischen zwei Berggipfeln – und ich stehe in der Mitte und die Brücke, mit ihren zarten Seilen, wiegt mich hin und her. Gleichmäßig aber bedrohlich. Und dann kann ich mich nicht zwischen dem Rückweg oder einem wackligen Voranschreiten entscheiden.

Der Kater sitzt nun auf dem Fensterbrett, blickt in die dunkle Nacht, taucht seine Pfote ab und an gedankenversunken und dennoch bestimmt in die Wasserschale, um sie dann, nach kurem Zögern und wenn die Hälfte des Wassers schon auf das Fensterbrett getropft ist, abzulecken. Dann streckt er sich auf meiner Matratze. Verliert ein Haar oder zwei, verschwindet wieder im Türspalt und wird erst, wenn die Sonne mir morgen die Motivation zum Aufstehen verleiht, neben meinem Bett auf der braunen Decke vor der Gasheizung liegen, mit warmem Fell, schnurrend und mir diesen vertrauten Blick schenken, der mir bis jetzt immer wortlos sagte, dass ich hier richtig sei.

 

(Heute beendete ich »Und im Zweifel für dich selbst« von Elisabeth Rank.)

Ein Buch ohne Gesicht

Selbstportrait Frau

 

Das bin ich. Das ist mein Gesicht. Und manchmal denke ich: Bin ich das wirklich? So sehe ich aus?

 

Das soll hier jetzt keine melancholische Selbstreflektion werden. (Und doch wird sie es vielleicht.) 

 

Viel mehr geht es mir darum, mein Spiegelbild zu fragen: Sind wir beide richtig hier? Und wenn ja, warum willst du so oft etwas vollkommen anderes als ich?

 

Sprechen wir über Facebook das Buch ohne Gesicht, denn das ist ein Thema, was mich zur Zeit stark tangiert. Ich habe am Sonntag mein Profil deaktiviert. Heute sind nun fünf Tage vergangen und die Lücke, die die fehlende Aktivität in meinen Alltag reißt, füllt sich langsam aber sicher mit anderen Dingen. Ich telefoniere mehr, lese mehr, gehe mehr aus dem Haus, lasse das Telefon in der Tasche, schließe die Augen, genieße Stille. (Und ich öffne nur noch einmal am Tag rein intuitiv einen neuen Tab, um ihn beim Eingeben des Buchstabens F wieder zu schließen.)

 

Warum diese pathetisch überladen wirkende Reaktion/Konsequenz?

 

Natürlich bin ich ein internetaffiner Mensch. Ich liebe Twitter und Feedly und Soundcloud und Instagram und Tumblr (oh, Hallo du lange, schöne Liste ♥) und alles, was mich an Worten und Klängen und Bildern umgibt. Mein iPhone immer griffbereit in der Jackentasche oder auf dem Tisch (/im Bett) neben mir liegend verpasse ich nie den rechtzeitigen Absprung in die virtuelle Welt. Ich bin ein Informationssammler, habe Taschen voller Dinge und stopfe immer mehr hinein. Das liebe ich, wie nichts anders.

 

☞ Aber. Und das Aber kommt nun ein wenig übertrieben und vielleicht auch überbewertet daher. Aber: Ich möchte mich wieder wie ein Drahtseilkünstler zwischen dem Leben im Netz und dem Leben fern vom Netz bewegen. Das habe ich lange Zeit nicht getan und dadurch viel an Kommunikation verlernt. Kommunikation verlernen? Eine rückwärts gerichtete Entwicklung in einer vorwärtsgerichteten Welt der technologischen Evolution? Ja. Ich war ein Meister der Facebook-Gruppennachrichten und langer Einzelkonversationen, die im Fazit doch nur die Flucht vor der Einsamkeit waren. Und nun möchte ich die Momente, die ich für mich selbst habe, wieder mit mir selbst verbringen und nicht dem Zwang der stetigen Kommunikation nachgehen. Ich will in Momenten, in denen ich nicht alleine sein möchte, das Haus verlassen und um den Block laufen, um Freunde zu treffen, anstatt meine Bedürfnisse nach Zuneigung über eine Tastatur auszudrücken. Denn ist ein Tastendruck so spürbar wie Augenkontakt?

 

Ich werde Facebook hier nicht seinen Sinn vollkommen absprechen, es ist ein nettes Kommunikationsmittel. Aber aus der Reflektion meiner Tätigkeiten in diesem Netzwerk muss ich erkennen, dass es mir im Moment keinen Mehrwert sondern Zeitverschwendung bietet. Es gibt nichts mehr, was ich in meine Taschen stopfen könnte, um es selig mit mir herum zu tragen. Mehrwert klingt immer sehr kalt. Aber genau in dieser Temperaturspanne bewegte ich mich dort.  Ich sehne mich nach Wärme. Ich sehne mich nach dem Frühling. Und ich sehne mich nach etwas Abstand zu den viel zu schnell geschriebenen Worten. Ungefähr wie viele Sekunden überlegt man, bevor man einen Satz ausspricht? Im Vergleich dazu: Wie lange denkt man darüber nach, ein Wort in das Chatfenster zu tippen? Bis ich diese Relation wieder in ein Gleichgewicht gebracht habe, bleibe ich dem Netzwerk fern. Als Schutz für mich, für andere und als Reinigung meinerselbst.

 

Es geht hier nicht um das große Ganze der “Generation Depression”, sondern viel mehr um die kleine Katze, die nach einem langen, kalten Winter (Schluss damit jetzt!) wieder durch die blühenden Gärten streunern möchte, um an echten Blumen zu schnuppern und von echten Bienen in den Arm gestochen zu werden.

Dann klebe ich in mein Erinnerungsbuch das Bild von den lächelnden Gesichtern meiner Freunde in der Sonne, mit Eis in der Hand. Und alles fühlt sich gut an.

 

Hallo Frühling. ☼

 

Frühling

Fundstück: Phèdre.

»Nachdem Phädra erfahren hat, dass Hippolytos Aricia liebt, verzichtet sie darauf, ihn vor seinem Vater zu verteidigen. In Botenberichten wird schließlich der Selbstmord Oenones und der Tod Hippolytos’ gemeldet, der, nachdem er Troizenverlassen hatte, von einem Seeungeheuer überfallen und von seinen dadurch erschreckten Pferden, in den Zügeln verfangen, zu Tode geschleift wurde. Phädra hat sich vergiftet, gesteht Theseus ihre Schuld und stirbt auf offener Bühne.« [Zitat von Wikipedia zum Thema Phèdre, eine Tragödie in fünf Akten]

 

Hat man sich einmal durch diese Inhaltsbeschreibung eines bedeutenden Werks der französischen Klassik gewühlt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass die griechische Mythologie ein tiefes, wirres Feld an verknüpfter Grausamkeit darstellt.

 

Mir geht es hier allerdings nicht um die Werke von Jean Baptiste Racine, sondern um die Band, deren Namen sich mit diesem alten französischen Stück gleicht: Phèdre, ein Trio aus Monté Carlo, Monaco.

 

Folgender liebevoller Absatz von ihrer Website verrät, wie die drei begannen: » [...] this trio apparently started Phèdre in a three day – three-some – binge of wine, fish and recording«.

 

Was gibt es schöneres als Wein, Fisch, ein bisschen Monté Carlo und diese Klänge aus einer anderen Atmosphäre? Für mich das Fundstück der Woche. ❤

 

 

Übrigens, das Label der Band daps records gilt auch als Zuhause für weitere irre Klangkonstellationen. Den YouTube-Channel solltet ihr mal auschecken. Besonders die Videokunst vermag ich als pure Provokation zu bezeichnen. It’s worth it.

Mein Grund im Haus zu bleiben

Zur Zeit ist es ein wenig ruhig geworden hier. Selbstverständlich nur, damit ihr die neugewonnene Lebensenergie, die uns die Sonne mit ihren warmen Strahlen angeschleppt hat, nutzen könnt und raus ins Freie lauft. Lauft, Kinder, lauft!

 

Ich beschäftige mich derzeit noch mit meiner Bachelorarbeit, welche ich nächste Woche zur Abgabe in ein Paket stecken möchte muss, und darf deshalb die meiste Zeit in meinem Kämmerchen verbringen. Währenddessen schaut mein Rücken der Sonne beim Auf- und Untergehen zu und freut sich über ihre Wärmetherapie.

 

Mein Thema wird übrigens auf dem Spielplatz der Bürokratie mit folgendem Namen gerufen: »Die Beeinflussung von Lyrik und Epik durch typografische und grafische Gestaltung – ein Selbstversuch.«

 

Und was heißt das jetzt für mich genau? Ich habe in den letzten Wochen neun unterschiedliche Texte (von Autoren aus meinem näheren und fernen Umfeld) inhaltlich interpretiert, anschließend experimentell gestaltet und diese Gestaltung erneut interpretiert. Diese Arbeiten wurden anschließend in einem Heft gebunden und zwei Probanden vorgelegt, welche sich dann je mit einem Text beschäftigten und diesen innerhalb eines Interviews hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen Inhalt und Gestaltung bewerteten.

 

Und was bringt das? Nun, Gestaltung ist ein irrsinnig riesiges Feld, auf dem alle irgendeiner undefinierbaren Sportart nachgehen. Alles in allem wirkt das wie ein wirrer Haufen Ameisen, die ihren Bau verloren haben. Im Detail steckt aber hinter jedem Handeln auch ein Gedanke. Kann der Außenstehende diesen erkennen? Und führt die Art der Performance dazu, dass man die eigentliche Handlung missversteht?

 

Ich habe mir fest vorgenommen, die Arbeit auch digital zu publizieren. Da ich gerade aber noch mit der Fertigstellung beschäftigt bin, wird sich das Erscheinen hier auf dem Blog wohl noch etwas hinziehen. Wen das alles interessiert, den bitte ich um Geduld. Zur Zeitüberbrückung: Hoffen, dass das Wetter nicht allzu sehr umschlägt, einen Ball kaufen, auf eine Wiese stellen und spielen. Hopp, Hopp, Kinder!

Bachelorarbeit – Preview 3

 

Bachelorarbeit – Preview 1 Bachelorarbeit – Preview 2

Nur zu Besuch – Trailer: »Sightseers«

Ich wurde gerade von meinem allerliebsten Kulturbanausen Ben auf folgenden Trailer aufmerksam gemacht. Und so skurril er auch sein mag, so sehr berührt er mein Herz. Dringende Empfehlung! Ich habe ihn fest in mein Wochenende eingeplant, komme was wolle. Originalsound, versteht sich.

 

 

Danke Ben ❤

Ich vermisse.

Da oben.

Wenn du die ganze Zeit Richtung Himmel siehst, denkst du, dass du fliegst.

 

Kohle, Philipp und ein Kätzchen.

Da ich mich im Moment auf Grund meiner Bachelorarbeit sehr viel mit Gestaltungsstilen und verschiedenen Kunstmaterialien beschäftige, lief mir heute auch mal wieder die Kohle aus meiner Schreibtischschublade über den Weg.

 

Ich ließ mir eine kleine Unterbrechung für Folgendes nicht nehmen:

 

Format: 50 x 70, Kohlezeichnung

Farbiges Spiegelbild im grauen Alltag.

Maulwurf.

Ich grabe nun ein bisschen. Ich stöbere nach alter Zeit und füge ein paar neue Momente hinzu. (Besonders auch, weil ich die gute alte Minolta 100x nun wieder sehr oft spazieren trage.)

 

Alles in allem geht es um das Auge auf dieser Seite. Es sah und wird sehen. Immer ein Foto. Und das dann alles hier und in 16:9.

Vorgeschmäcklerisch:

Erblickt in Hof, am 5. Februar 2012, mit einer Canon 1000D

Hier, Menschheit, dein Spiegelbild!

Jon Rafman.
Dieser Name taucht in Kombination mit Google Street View auf. Warum?

 

Rafman reist durch die Welt. Nicht wie manch anderer mit Koffer und Kamera, sondern viel bequemer vom Stuhl zu Hause aus. Er durchforscht die weiten Bilderwelten der Street View Datenbank. Und alles, was er dort findet, hält er in Screenshots auf seiner Seite 9-eyes.com fest (was sich namentlich auf die technische Konstruktion der 9-äugigen Street View Kamera bezieht).

 

Das muss man sich kurz vorstellen.
Viel viel mehr als eine Milliarde Bilder, 1Milliarde Wege, eine Milliarde echte Momente im Leben anderer. Beobachtet.

 

All die wunderbarsten Naturgegebenheiten. All der Terror und die Qual. All die blinden Menschen auf der Welt.

Ist Google Street View ein Spiegel unserer selbst? Nehmen wir dieses mächtige Medium gar nicht als Bedrohung oder gar Kritik wahr? Sehen wir all das wirklich nur, wenn wir durch den Spiegel sehen und können uns niemals nie zur Wirklichkeit umdrehen? Menschen.

 

Sehen, verstehen.

 

 

 

Viel viel mehr Bilder gibt es auf seiner Seite.

Liebe, Süßigkeiten und alte Schule

Meine Zuneigung für süße Dinge, charismatische Menschen und ehrliche Dokumentationen fand heute endlich mal wieder einen Höhepunkt. (Danke Internet. Und Achtung: Hier wird es viel zu klicken geben!)

 

Aber bevor ich total überschwänglich durchdrehe, von vorn und die ganze Geschichte:

Über einen meiner Lieblingsblogs (FUCKNFILTHY) stoß ich auf diesen schon sehr ansprechenden Artikel über die suburbane Fotografie von Martin Parr. Dieser 1952 geborene britische Fotograf hat ein Auge für’s Spezielle. Ein Freund der Provokation alltäglicher Klischees, wie Bilder wie diese beweisen:

 

Unter anderem sei zu erwähnen, dass der gute Mann besonderes Interesse für die russische und osteuropäische Kultur mit all ihren Widersprüchen hegt, was Einträge aus seinem eigenen Blog (wie dieser) ausreichend beweisen.

 

 

Hach, diese provokante Art macht mich ganz selig.

 

Nun gut, weiter im Text: Herr Parr fotografiert nicht nur, sondern besitzt auch eine große Leidenschaft für den bewegten Film. Nach wildem Herumklicken auf seiner Seite, stoß ich auf seine filmischen Dokumentationen.
Eine von diesen möchte ich euch einerseits wegen dem herrlichen britischen Akzent (in den ich mich hineinlegen könnte) und andererseits wegen dem thematischen Höhepunkt nicht vorenthalten.

 

Parr besuchte Teddy Gray’s, die (und ich muss es in diesen Worten sagen) “charmingly old fashioned sweet factory in Dudley”. Er sprach mit den Besitzern und zeigt wie riesige Mengen Süßigkeiten in der guten alten Art und Weise hergestellt werden. Nicht lang schnacken, anschauen jetzt. Und ich werdet meine Liebe dazu teilen. Hach, fukc you Valentinstag, i know better! ❤

 

 

Part 1:

 

 

Part 2:

 

Fundstück: Tropics – Popup Cinema

Weil nicht nur das Video eine kleine Reise ist, sondern auch das Lied, soll es jetzt hier sein und für sich selbst wirken. Sich einfach ein bisschen treiben lassen…
Definitiv Fundstück der Woche.

 

 

via

Geistiger Inhalt von Eva Dietrich.